Review FRÄULEIN TONSPUR - SCHREI`S HERAUS

Album Review: FRÄULEIN TONSPUR - SCHREI`S HERAUS

EINE ART BEFREIUNGSSCHLAG

Auch „Blicke nicht zurück“ liefert keine Möglichkeit zum Stillsitzen oder Durchatmen. Es ist einfach ein perfekter Motivationssong oder auch ein in Melodien gefasster Tritt in den Hintern. Der Song ruft dazu auf, seine Lebenszeit nicht mit Jammern zu verschwenden, sondern sie bewusst zu nutzen. Das Motto des Songs ist also: „Hör auf zu reden und pack das Glück bei den Hörnern.“. 

Bevor ich eine Review schreibe, schaue ich mir immer die Tracklist an und versuche mir vorzustellen, worum es in den einzelnen Songs geht. Bei „Du“ lag ich schief, denn ich dachte zunächst an ein Liebeslied. Das ist es nun wirklich nicht, eher das Gegenteil. Wobei man ja sagen muss, dass das literarische Ich des Songs sich zwar in einem Konflikt mit dem imaginären „Du“ befindet. Dieses „Du“ muss aber schon einen gewissen Stellenwert für das „Ich“ haben, denn sonst wären Worte nicht nötig und beide könnten einfach getrennte Wege gehen.
Wer seinen Ärger immer nur herunterschluckt, wird vermutlich irgendwann daran ersticken. Das weiß auch Fräulein Tonspur und liefert in „Schrei’s heraus“ sozusagen das Gegenmittel. Was ich sehr schön finde, ist dass sie dabei auch 2 Sprichwörter einbauen.
„Weizen und Spreu“ war die erste Singleauskopplung aus diesem Album und hat mich direkt beeindruckt. Mehr brauche ich dazu eigentlich nicht mehr zu sagen, da Ihr den Song mittlerweile bestimmt schon auswendig kennt (obwohl ich eigentlich echt Lust hätte, den Text mal genauer unter die Lupe zu nehmen).

NOSTALGIE, WUT UND MELANCHOLIE

Während die ersten Songs eher an musikalische Kampfansagen erinnerten, wird es bei „Die schönste Zeit“ heiterer und beschwingter. Der Song ist ein nostalgischer Rückblick auf eine unbeschwerte Kindheit in der Dorfidylle. 

Kennt Ihr diese Lieder, die man manchmal einfach braucht, wenn man von Allem und Jedem genervt ist? Weil sie einem erlauben, einfach mal lauthals mitzuschimpfen und zu schreien? „Halt den Ball flach“ fällt für mich in diese Kategorie, denn Sätze wie „Halt doch mal den Ball flach, du jämmerlicher Lauch“ sind wirklich bestens dafür geeignet, seinem Ärger Luft zu machen.

Im Vergleich zum Rest des Albums ist „Sinn des Lebens“ vergleichsweise ruhig, was vermutlich auch dem Text geschuldet ist. Philosophische Überlegungen zum Lebenssinn brauchen nun mal keinen Sound, bei dem man nur hüpfen oder pogen möchte. Aber keine Angst – ganz ruhig im Sinne einer Ballade ist der Song dann doch nicht – das würde wohl einfach nicht zu Fräulein Tonspur und auch nicht zur Stimme von Sänger Jochen passen.

ES BLEIBT ABWECHSLUNGSREICH

Nach so viel Tiefgang bietet „Urlaub“ die willkommene Abwechslung. Ein paar „Wohohoo“ weniger, hätten dem Song vermutlich auch nicht geschadet, aber ansonsten macht er einfach nur Spaß.

Auch „Festival“ macht Spaß, wenn auch auf eine rockigere Art, als „Urlaub“. Außerdem macht mich der Song ein bisschen wehmütig und sentimental, weil er mich an vergangene Festivalsommer erinnert. Aber die wird es ja hoffentlich auch bald wieder geben und dann ist der Song auf jeden Fall ein Muss.

„Schon immer anders“ ist eine Hymne für Außenseiter und für alle die wissen, dass der steinige Weg zwar oft anstrengend ist, sich aber meistens auch lohnt. Warum sollte man auch sein wollen, wie alle anderen, wenn man dadurch die Welt um ein Unikat berauben würde?

FAZIT

SCHREI’S HERAUS ist ein sehr starkes Album und macht seinem Titel alle Ehre. Fräulein Tonspur verstellen sich nicht und versuchen auch nicht, es irgendjemandem Recht zu machen. Das Album ist ein musikalischer Spiegel der Band, mit Ecken und Kanten. Und obwohl die Titel überwiegen, die man als musikalische Kampfansage bezeichnen kann, bleibt trotzdem noch genug Raum für andere Facetten des Lebens, wie Freude oder nostalgische Gefühle. Ich kann Euch das Album nur empfehlen und denke, meine Partner und Kollegen von Radio Jack sehen das ähnlich
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